Bild von Dr. med. Jörg Pertschy (Chefarzt der Klinik für Allge­mein-, Visceral-, Thorax- und Gefäß­chirurgie am KKH Erfurt)

Dr. med. Jörg Pertschy, Ärztlicher Direktor & Leiter Viszeral-Onkologisches Zentrum Erfurt

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"Einzige Heilungschance ist die Operation." - Interview mit Dr. med. Jörg Pertschy

Das Katholische Kranken­haus Erfurt (KKH) hat mit dem Viszeral­onkologischen Zentrum eines von fünf zerti­fi­zierten Pankreas­krebszentren in Thüringen.

Zum Welt-Pankreaskrebstag, der sich am 16. November 2023 zum zehnten Mal jährt und unter dem Motto „Weitergehen – Orientieren – Handeln“ steht, haben wir mit dem Ärztlichen Direktor und Chefarzt Dr. med. Jörg Pertschy gesprochen, der das Viszeral­onkologische Zentrum des Katho­lischen Kranken­haus gemeinsam mit Dr. med. Wolfgang Reuß leitet.

Bauch­speichel­drüsen­krebs kommt zwar mit ca. drei Prozent aller Krebs­erkran­kungen selten vor, verläuft aber häufig tödlich. Können Tumorvorstufen bei der Diagnostik dieser schweren Erkrankung helfen?

Dr. Pertschy: „Es gibt zwar Vorstufen zum Bauch­speichel­drüsen­krebs, diese sind aber schwer erkennbar. Wenn sie erkannt werden, sollte operiert werden.

Es gibt leider keine typischen Frühsymptome, sondern nur die allgemeinen Anzeichen einer Krebserkrankung wie Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust.

Häufig ist das erste Symptom die Gelbsucht (Ikterus), die ist aber schon die Folge des „Drückens“ des Tumors auf den Gallengang. Wichtigste Diagnostik ist die Computer­tomographie, die das lokale Ausmaß und die Frage nach Tochtergeschwülsten beantworten kann. Danach folgen ggf. Zusatzuntersuchungen.“

Ist die Überlebenschance heute höher?

Dr. Pertschy: „Die Operation ist heutzutage die unverändert einzige Heilungschance. Vor der Operation ist es notwendig, die Gesamtsituation des Patienten zu beurteilen (u.a. sein Alter oder mögliche Vor- und Nebenerkrankungen).

Es gibt außerdem Daten, dass die Chemotherapie zusätzlich zur Operation die Prognose verbessert, gleiches gilt für den Zusammenhang zwischen der Anzahl der durchgeführten Operationen und der Überlebenschance. Seit 2019 sind wir durch die Deutsche Krebs­gesell­schaft als Viszeral­onkologisches Zentrum für Darm- und Pankreas­krebs zertifiziert. Mindestvoraussetzung dafür sind u.a. mehr als 20 Pankreas-Operationen pro Jahr.

Das Katholische Kranken­haus ist eins von fünf zerti­fi­zierten Pankreas­krebszentren in Thüringen und eins von 141 in Deutschland. Jährliche Audits sichern und kontrollieren die Qualität und sichern einen inter­diszipli­nären Ansatz mit personalisierter Medizin. Da es sich um einen hoch aggressiven Tumor handelt, kommt es leider häufig zu Rückfällen.“

Pankreas­krebspatienten leiden häufig nach der Operation unter einem ungewollten Gewichtsverlust. Kann eine angepasste Ernährung in diesem Fall helfen?

Dr. Pertschy: „Zunächst sollten die Patienten nicht ungeduldig sein. Es ist ganz normal, dass man nach so einem schweren Eingriff die ersten drei Monate abnimmt. Der Körper muss sich wieder erholen. Von Nahrungsergänzungsmitteln mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren rate ich ab, da sie in ihrer Wirksamkeit fraglich sind. 

Je nachdem, ob die Bauch­speichel­drüse vollständig oder nur teilweise entfernt wurde, müssen zusätzlich Verdauungsenzyme und Insulin zugeführt werden. Enzympräparate sollten mit der Mahlzeit eingenommen werden. Mehrere kleine Mahlzeiten mit leicht verdaulicher und fettarmer Kost sind zu bevorzugen. Ein Teil der Nahrungsfette kann durch sogenannte MCT-Fette (mittelkettige Fette, die in Kokosöl oder Palmkernöl vorkommen), die im Gegensatz zu „normalen“ Fetten direkt ins Blut aufgenommen werden können, ersetzt werden. So kann der Gewichtsverlust ausgeglichen werden. Die MCT-Fette sollten aber allmählich in langsam steigender Dosierung in die Nahrung aufgenommen werden, zunächst 10 bis 20 Gramm bis max. 50 bis 70 g pro Tag.“